Niemand kommt hier lebend raus – vom Umgang mit der Corona-Angst

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Die Corona-Angst geht um. Wie ein Schreckgespenst hat sie sich über den Verstand der Menschen gelegt. Vormals offene und mutige Menschen sind verängstigt. Wiederum vormals ängstliche Menschen gehen ganz gelassen mit Corona um und zeigen kaum Ängstlichkeit vor dem Virus. Wie konnte es dazu kommen?

Die Corona-Angst geht um
Photo von Jonathan Klok auf Unsplash

Julius Cäsar soll immer einen Einflüsterer bei sich gehabt haben. Wisst ihr, was dieser gesagt haben soll? „Memento Mori“ Erinnere dich deiner Sterblichkeit. Oder anders gesagt: Wir werden alle sterben. Niemand kommt hier lebend raus. Das ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen. Seit wir Menschen uns unserer eigenen Sterblichkeit bewusst sind überlegen wir, wie wir diesem Endpunkt entkommen können. Man könnte sagen, dass ganze Leben ist eine Vorbereitung darauf diesen Fakt zu akzeptieren. Seinen Frieden damit zu schließen und trotzdem mutig zu bleiben und voranzugehen im Leben.

Wir Menschen glauben, aber immer noch wir könnten dem Tod ein Schnippchen schlagen. Wir wollen länger und länger leben. Deshalb haben wir uns mit Medizin beschäftigt und großartige Fortschritte auf diesem Weg gemacht. Wir leben so lange wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Und trotzdem können wir diesem unentrinnbaren Fakt nicht entkommen.

Seitdem meine Tochter geboren wurde, kommt mir ab und zu diese Erkenntnis und sie treibt mir eine höllische Angst ein. Mein Herz rast und ich habe das Gefühl alles ende gleich. In diesem Augenblick richte ich meinen Fokus nach außen. Ich schaue mir an wo ich bin und öffne meine Sinne dafür. Das bringt mich nach und nach wieder auf den Boden zurück.

Wir fürchten den Tod so sehr, dass wir das Leben vergessen.

Diese Fixierung ist es, was so viel Angst macht. Die Fixierung auf den Tod macht nur noch mehr Corona-Angst!

Die Vermeidung von Tod und Sterben. Die Abwesenheit von Gefahr macht uns ängstlicher und ängstlicher.

Ein kleines Beispiel. Als ich in Brasilien unterwegs war, fiel mir sofort die unterschiedliche Wahrnehmung von Gefahr auf. Dort fahren Radfahrer in dichtem Verkehr mitten auf der Straße, manchmal auch im Gegenverkehr. Diese Sorglosigkeit führt wahrscheinlich zu signifikant mehr Toten im Straßenverkehr, aber die Angst wird geringer.

Hab keine Angst in dieser Zeit. Lass die Corona-Angst ziehen. Die Zeit scheint verrückt und verdreht. In den Nachrichten kommen immer mehr Horrornachrichten.

Geh raus. In die Natur. Atme ein und aus. Vertraue der Natur.

Deiner Natur. Vertraue deinem Immunsystem.

Dein Immunsystem hat dich schon durch so viele schwierige Krankheiten und Erreger begleitet und beschützt. Du hast so viele Verbündete im Kampf gegen Viren und Bakterien. Wusstest du, dass ca. 9 % deiner Körpermasse aus Bakterien besteht? Du hast so viele Helfer …

Und ja! Du solltest dein Immunsystem boosten! Du kannst lernen deine Immunaktivität zu erhöhen! Kälte und tiefes Atmen sind der Schlüssel!

Viren gibt es länger als die Menschen. Wir haben also von Anfang an mit Viren gelebt. Und um zu überleben, mussten wir Mechanismen entwickeln um mit Viren zurechtzukommen. Auch mit neuen Viren. Dies ist in unserem Immunsystem angelegt.

In meiner Praxis habe ich festgestellt, wenn man sich mit den richtigen Fakten beschäftigt und konzentriert kann man die Angst ablegen.

Die Corona Angst ablegen

Die Wahrscheinlichkeit an Corona zu sterben liegt bei unter 65-jährigen bei unter einem Promille (also weniger als 0,1 %). Und nimmt mit absteigenden Alter ab. Mehr als die Hälfte der Verstorbenen hatten mindestens 3 Vorerkrankungen und waren min. 81 Jahre alt. Die Lebenserwartung in Deutschland beträgt 81 Jahre… 96 % alle Verstorbenen hatten mindestens eine Vorerkrankung. Darunter fallen auch Fettleibigkeit und Bluthochdruck.

Bitte ziehe die Schlussfolgerung für dich, ob du in diese Risikogruppe gehörst. Machst du genug Sport? Schläfst du ausreichend? Ernährst du dich vernünftig?

Egal wie die Situation in Deutschland ist. Du solltest dein individuelles Risiko kennen. Ist es klein, weißt du, was du zu tun hast. Ist es groß, weißt du auch was du zu tun hast. Mein individuelles Risiko ist klein. Nichtsdestotrotz weiß ich, dass ich sterben kann. Aber genau so kann ich auch im Straßenverkehr sterben. Hingegen das Risiko meiner Eltern ist hoch. Ich habe versucht auf sie einzuwirken, dass sie sich zurückhalten und sich schützen. Wir konnten die Corona-Angst gemeinsam bewältigen.

Ich denke da immer an meine Patienten, die Angst haben an einem Herzinfarkt zu sterben und deshalb nicht mehr rausgehen. Ja, die Gefahr an einem Herzinfarkt zu versterben ist ständig da. Sie wird höher je mehr man rausgeht und sich bewegt und Sport macht. Aber ist ein Leben noch lebenswert, wenn man ständig in der Wohnung bleibt? Die Angst vor Ansteckung verhält sich ähnlich. Wie viel Lebensqualität gibt man auf, wenn man aus Angst vor einer Krankheit nicht sein Leben lebt?

Angst war nie ein guter Berater. Wird es auch nie sein. Auch, wenn wir uns unserer Sterblichkeit bewusst werden sollten wir nicht verzagen und ihr mutig entgegengehen.

Mit offener Brust dem Leben entgegengehen.

Lassen wir die Corona-Angst ein wenig los und gewinnen wir Klarheit, was ist.

Wir alle gewinnen dadurch. Und zwar gemeinsam an Stärke, Kraft und Gelassenheit. Und davon brauchen wir gerade eine Menge!

Kommentare 5

  1. Yes Sandro, it’s so important that we live life and decide the risks you are willing to take with the precautions you are willing to do. Such an important topic. Thank you for writing.

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  2. Ja, ich selbst brauche mir objektiv betrachtet wenig Sorgen machen wegen des Virus.. aber was ist mit dem allein lebenden, leicht verwahrlosten und extrem übergewichtigen jungen Mann in der 1-Zimmer-Wohnung unter mir? Was mit den alten Frauen, die ich bei fast jedem Besuch im Supermarkt sehe? Was mit dem rauchenden Altenpfleger, der kurz vor der Rente steht in der anderen Wohnung unter mir? Ich lebe in der Großstadt und habe den Eindruck, dass sehr viele Personen aus der Risikogruppe viel weniger Möglichkeiten haben, sich zu isolieren, als ich mit meinem Remote-Job und meiner vergleichsweise sehr stabilen Situation.

    Muss ich jetzt, nur um diesen einen Sommer nicht „zu verpassen“ all diese Personen opfern, obwohl ich absolut die Kapazität habe, dazu beizutragen, die Allgegenwart des Virus durch mein Verhalten zu verhindern?

    Klar, nicht jeder hat die Konstitution, Monate weitgehend allein zu leben. Ich habe die ersten zwei Monate ohne meine Freundin alleine verbracht und mit Rausgehen wäre es angenehmer gewesen. dennoch: Ich bin dazu in der Lage, warum sollte ich es nicht tun, um oben genannte Personen zu schützen?

    Mich an den Wochenenden um meinen Sohn zu kümmern ist auch jetzt richtig. Aber ich muss mich nicht mit Freunden, die auf Isolation pfeifen, zur gemeinsamen Bootsfahrt treffen. Es gibt z.B. die rücksichtsvollere Alternative, sich mit etwas mehr Abstand draußen zu treffen.

    Ich sehe die Zeit auch als Gelegenheit mich auf wichtige Dinge zu konzentrieren, die sonst zu kurz kommen, insbesondere Meditationspraxis. Wer mag kann jetzt sehr gut zu Hause intensive Retreats durchführen.

    Nur alle 10 Tage Lebensmittel einkaufen anstatt 2 mal die Woche ist auch ein absoluter Gewinn. Und wenn weniger Optionen zur Geschäftigkeit animieren bleibt mehr Zeit sich selbstbestimmt auf das Wesentliche zu konzentrieren. Insbesondere die stark eingeschränkten Möglichkeiten seine Zeit mit Konsum zu verplempern sind wirklich ein Gewinn. Ich fühle mich an meine Kindheit auf dem Dorf erinnert, wo alles noch etwas langsamer wahr 🙂

    So long..

  3. Hallo Sandro,

    deine Strategie, sich Distanz zu verschaffen, nutze ich bei Hilflosigkeitsgefühlen gerne. Du hattest mal darüber geschrieben. Man liegt am Meer. Mal kommt was Schönes, ein Seestern. Mal was Bedrohliches. Plastikmüll. Ich nehme es war. Es wird auch wieder weggeschwemmt. Ich hab das Gefühl, aber ich bin es nicht.

    Wegen Corona hab ich so Hilflosigkeitsgefühle, weil ich meine Tochter nicht umarmen kann, sie selten sehe, nur im Freien und 2 m Abstand einhalte.
    Das ist so unnatürlich.

    Das Horrorszenario hab ich mir einmal ausgemalt, wenn ich Corona hätte. Was nehm ich mit ins Krankenhaus? Wie muss ich die Wohnung hinterlassen, wenn sie nach mir 5 Tage keiner betreten darf? Auch das hat mir geholfen.

    Kein Pandemiefernsehen mehr schauen, fand ich auch hilfreich. Mein Südbalkon ist Gold wert.

    Corona Fall 2 und 3 in meiner Stadt waren Bekannte von uns. Deshalb war es für uns gleich real und nicht “was aus den Medien”. Die Coronagrillpartys um mich rum finde ich unsolidarisch. Jemand im weiteren Bekanntenkreis ist an Corona gestorben.

    Liebe Grüße,
    Tanja

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      Hallo Tanja,
      Danke für deine Antwort. Ja man kann sich in die harte Realität hineindenken. Und dort nach Lösungen suchen. Und sehen, dass man sehr weit von dieser schlimmen Welt entfernt ist.
      Ich fand diese Geschichte auch sehr hilfreich: /Auch das wird vorübergehen…

      Ich hatte zwei Bekannte, die ich auf Seminaren kennengelernt, die ebenfalls an Corona erkrankten. Zum Glück geht es ihnen besser. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man eigene Beispiele kennt.

      Leider habe ich weiter Nachrichten geschaut und das hat meiner Stimmung nicht geholfen. Am schlimmsten fand ich aber, dass es meiner Tochter nicht gut ging. Das hat mich am meisten mitgenommen. Da bin ich eben auch sehr empfindsam und sensibel.

      lieben Dank für deinen Beitrag
      Alles gute
      Sandro

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