Wir müssen uns Depression als körperliche Erkrankung vorstellen

Wir müssen uns Depression als eine körperliche Krankheit vorstellen

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Eine Depression ist keine psychische sondern eine körperliche Erkrankung. Jeder, der auch mal eine Depression hatte kann davon ein Lied singen. Alleine diese bleiernde Schwere im Körper, die innere Anspannung oder auch die Appetitlosgkeit sprechen ja Bände für sich. Deshalb geht es heute darum, die körperliche Seite der Depression zu verstehen. Und nicht nur das! Ich helfe dir auch deinen Körper zu nutzen, um deine Depression zu überwinden.

Wir müssen uns Depression als körperliche Erkrankung vorstellen

Photo by Sydney Sims on Unsplash

Es gibt eine merkwürdige Unterscheidung in der westlichen Welt. Die Unterscheidung zwischen Körper und Geist. Wahlweise wird Geist auch Seele genannt. Wir unterscheiden zwischen einem Körper und einem Geist, der in uns wohnt und verloren geht, wenn wir sterben. Im Geiste spielen sich unsere Gedanken und Gefühle ab. Der Körper ist sozusagen lediglich die Hülle in der der Verstand transportiert wird. Dementsprechend gibt es auch einen Ort für physische Erkrankungen genannt Krankenhaus und einen Ort für psychische Erkrankungen genannt Psychiatrie. Natürlich haben Ärzte auch erkannt, dass es da einen Zusammenhang geben muss und nennen das ganze dann „psychosomatisch“, was für sie soviel heißt wie: Ich hab keine Ahnung wo diese körperliche Erkrankung herkommt. Das muss also „psychisch“ sein. Ausnahmen bestätigen die Regel 😉

Kriterien für eine Depression

Wenn man sich die Kriterien für eine Depression anschaut dann findet man mehrere Kriterien, die eindeutig körperlich sind: Z.B. die körperliche Schwere oder Ermüdbarkeit, oder Schlafstörungen. Der Körper ist einfach schwach in einer Depression. Komisch. Wie konnte denn das in die Liste für psychische Krankheiten kommen? Auch viele andere sogenannte psychische Krankheiten sind durchzogen von körperlichen Symptomen.

Man kommt nicht umhin festzustellen, dass Körper und Geist irgendwie zusammenhängen. Oder man kann sogar einen Schritt weitergehen und sagt: Körper und Geist sind EINS! Richtig! Es macht keinen Sinn beide voneinander zu unterscheiden. Das eine bedingt das andere. Der Geist kann ohne einen Körper nicht existieren. Tote Menschen sind nicht sonderlich ängstlich oder depressiv… Makaber, aber ich denke der Punkt kommt rüber.

Und ich will nicht sagen, dass es 1000% wahr ist, was ich sage. Ich will lediglich sagen, dass es Vorteile hat den Mensch so zu betrachten. Es hat Vorteile davon auszugehen, dass Körper und Seele eins sind. Man kann nämlich leicht feststellen, dass es etliche Veränderungen im Körper eines Menschen mit Depression gibt.

Ein Beispiel dafür wären erhöhte Entzündungswerte im Körper eines Menschen mit Depression. Bei manchen Betroffenen findet eine nachweisbare Entzündungsreaktion statt. Das ist nur ein Beispiel von vielen und zeigt, dass es sinnvoll ist Depression auch als körperliche Krankheit zu verstehen ist.

Wie man Depression als körperliche Krankheit verstehen kann

Depression ist eine körperliche Erkrankung. Aber welche Aspekte der Depression sind körperlich?

Depression als überschißender Energiesparmodus

Ich sage immer gerne: „Depression ist wie ein lang andauernder Winterschlaf“ Unser Körper besitzt rein evolutionär die Fähigkeit in bestimmten Zeiten sein Energiebedarf und die Energiebereitstellung herunter zu fahren. So muss man sich die Depression vorstellen. Ein nicht enden wollender Winterschlaf für den Körper. Deswegen hat man in der Depression keine Energie egal wie sehr man sich ausruht. Das Problem ist, dass man das Gefühl hat man müsse sich immer weiter ausruhen, um Energie zu sparen. Die Folge ist ein Teufelskreis. Der Körper fährt immer weiter sein Energieangebot runter und verlernt auf Anforderungen zu reagieren. Das führt zu immer mehr Überforderungserleben und weiteren Rückzug und Erschöpfung.

Winterschlaf war in der evolutionären Entwicklung wichtig, da wir in kalten Zeiten nicht so viel Nahrung zur Verfügung hatten und unseren Energieverbrauch drosseln mussten. Diese Fähigkeit wird uns jetzt zum Verhängnis.

Überschießende sympathische Aktivität

Unser Körper ist in der Depression aber auch dauerhaft angespannt und hat verlernt auf Anforderungen zu reagieren. Er ist im Zustand der dauerhaften Überforderung, denn wir liegen ja nicht die ganze Zeit rum in der Depression, sondern sind mit den gleichen Anforderungen im Alltag konfrontiert wie immer. Dafür hat der Körper unter anderem das vegetative Nervensystem zur Verfügung, was die Energie bereitstellen soll. Hierbei gibt es ein System, das sich Sympathikus und Parasympathikus nennt. Vereinfacht gesagt, ist der Sympathikus dafür verantwortlich Energie und Kraft bereitzustellen und der Parasympathikus ist für Erholung und Wiederauffrischung der Energiereserven zuständig. Die zwei sind Gegenspieler. Es kann immer nur einer aktiv sein.

Das komische ist, dass in der Depression nicht der Parasympathikus aktiv ist, wie man es vielleicht vermutet sondern eher der Sympathikus. Er ist sogar überaktiv, lässt uns grübeln, denken, schlecht schlafen und irgendwie auch dauerhaft angespannt und unruhig. Die Aktivität des Sympathikus schießt über.

Parasympathikus zu wenig aktiv

Durch die Aktivität des Sympathikus ist der Parasympathikus unterdrückt. Und klar. Wenn ein Körper die ganze Zeit Energie bereitstellen soll (die er nicht hat im Winterschlaf) führt das früher oder später zur Erschöpfung. Aber dabei wird der Parasympathikus nicht aktiv sondern wird weiter dauerhaft unterdrückt, da ja ständiges nachdenken, grübeln, Lösungen suchen den Körper nicht zur Ruhe kommen lässt.

Etwas komisch gesagt: Ein depressiver Mensch kämpft gegen das an, was er eigentlich bräuchte. Eine Zeit der Ruhe und Depression zur Auffrischung der Energie. Und gleichzeitig nutzt er seine Energie nicht, um mehr Energie zu erzeugen sondern zapft einfach weiter an den Reserven an bis keine mehr da sind.

Eine Depression ist also eine körperliche Disbalance. Der Körper hat verlernt den Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung zu schaffen. Sprich Anspannung ein, danach dann Entspannung und Erholung. Der Energiesparmodus ist ein Abwärtsspirale des Körpers.

Depressive frieren

Menschen mit Depression haben häufig Schwierigkeiten in der Regulation der Körperwärme. Sprich sie frieren. Das hat ebenfalls damit zu tun, dass der Körper die Fähigkeit verlernt seine Körpertemperatur anzupassen. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Menschen selbst in kalten Regionen der Welt zu Hause waren, weit bevor wir Heizungen hatten. Daran können wir sehen, dass der Mensch sehr wohl mit Kälte gut umgehen kann. Jetzt haben wir leider Heizungen und unser Körper muss keine Wärme mehr produzieren. Menschen mit Depression kommen dann in Schwierigkeiten. Sie können dem nur wenig entgegensetzen. Sie frieren und ziehen sich immer dicker ein. Das löst das Problem leider eher nicht. Der Körper lernt nicht aus seinem Winterschlafmodus herauszukommen. Im Gegenteil. Er wird weiter dazu animiert.

Raus aus dem Winterschlaf! Raus aus dem Energiesparmodus!

Ok. Soviel zur Theorie und zu den Ursachen. Aber wie kommen wir aus dem Winterschlaf wieder raus? Wie können wir unserem Körper beibringen, dass der Winterschlaf vorbei ist und wir keinen Energiesparmodus mehr brauchen? Klar. Wir müssen ihn aufwecken. Langsam und behutsam. Die Augen aufmachen, aus der Höhle heraustreten und wieder aktiv werden. Aber natürlich langsam und Schritt für Schritt. Wenn wir uns müde fühlen dürfen wir wieder zurück in die Höhle und uns erholen. So wie wir es gerade brauchen. Und dann wieder raus. Raus ins Leben. Raus in die Natur. Dinge schaffen.

Übersetzt ins 21. Jahrhundert heißt das wir müssen unbedingt Sport machen. 30 Minuten Ausdauersport zwei Mal in der Woche! Spaziergänge in der Natur. Mehrmals in der Woche. Entdecken, was uns wichtig ist. Alte Gewohnheiten von vor dem Winterschlaf wieder aufnehmen. Der Kälte sich annähern. Kalt duschen z.B.

Wie ich oben ja schon geschrieben haben geht eine Depression auch mit einer Entzündungsreaktion des Körpers einher. Das stresst und beschäftigt den Körper zusätzlich (=Sympathikus aktiv). Von daher ist eine Ernährungsumstellung hilfreich. Hin zu entzündungshemmenden Nahrungsmitteln (Tomaten, Spinat, Ananas,…) , weg von entzündungsfördernden Nahrungsmitteln (Zucker, rotes Fleisch).

Hier nochmal eine kurze Übersicht:

  1. Aktivität (am besten Ausdauersport, 2x pro Woche 30 min)
  2. Wärme/Kälte (Kälteexposition mit kalt Duschen, ca 30 Sekunden nach der warmen Dusche)
  3. Schlaf/Erholung (8 Stunden Ruhe am Tag, damit ist nicht Schlaf gemeint. Es reicht einfach eine Ruhephase einzulegen)
  4. Essen (frische gesunde Sachen braucht der Körper damit er gut funktionieren kann… Ist eigentlich logisch oder?!)

Depression ist ein Zustand mit vielen körperlichen Manifestationen. Wir können sie gut als körperliche Veränderung verstehen und uns daran anpassen. Der Energiesparmodus des Körpers während einer Depression war sicher hilfreich in früheren Zeiten. Jetzt kann dieser Zustand in einen Teufelskreis enden. Und dieser Teufelskreis kann sehr wohl durchbrochen werden.

Welche körperlichen Symptome nimmst Du in deinen Depression oder Burn-out wahr?

 

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