Burnout gibt es nicht

Burnout gibt es nicht! Depression schon!

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„Burnout“ hat einen Siegeszug in das kollektive Sprachrepertoire hingelegt, was seines Gleichen sucht. Angefangen hatte Burnout als Beschreibung für die Überarbeitung in helfenden Berufen. Aber dann kam man auf die Idee Burnout für alle Arbeitsgruppen anzuwenden. Dabei spricht vieles dafür, dass es diese Krankheit gar nicht gibt. Ehrlich!

Burnout gibt es nicht

Burnout gibt es nicht! Depression schon!

Ein typische Burnout Geschichte

Ein junger Arbeitnehmer beginnt seinen Job voller Enthusiasmus, hat tolle Ideen und arbeitet daran in seinen neuen Beruf hineinzufinden. Nach einigen Monaten beginnt die Anforderung spürbar zu werden. Er schläft zu wenig, ist angespannt, wird genervt und zynisch. Er regt sich schnell über seine Kollegen auf, empfindet die Arbeit als Belastung. Irgendwann kann er nicht mehr richtig schlafen, ist tagsüber müde und abends grübelt er über all die Probleme des Tages und findet doch keine Lösung und vor allem keine Ruhe.  Das Arbeitspensum ist einfach nicht schaffbar. (war es das jemals?) Irgendwann sitzt er vor dem Rechner und starrt ihn minutenlang an. In seinem Kopf schwirrt die Frage: „Wie soll ich das jemals schaffen.“ Statt mit dem ersten Schritt zu beginnen passiert lange gar nichts. Nur sinnlose Aktivitäten. Wenn er doch anfängt zu arbeiten braucht er ein vielfaches der Zeit, die er sonst für diese Tätigkeiten gebraucht hat.

Das schlechte Gewissen wächst und so auch die Gedankenspirale. Er versucht das schlechte Gewissen mit noch mehr Arbeit zu kompensieren und bleibt noch länger auf, schafft aber immer weniger. Hinzu kommt bald ein ständiges Gefühl der Erschöpfung und Müdigkeit. (Was normal ist wenn man nicht schläft…) Gedankliche Monologe beginnen: „Ist das überhaupt der richtige Job für mich? Wenn ich nur etwas tun würde bei dem ich mich wohl fühlte.” Solche Gedanken helfen auch nicht richtig weiter.

Das Leben zu Hause in der Familie leidet ebenfalls. Mit den Gedanken auf der Arbeit merkt er nicht, was um ihn herum passiert. Was seine Tochter erlebt, was die Partnerin zu Hause erlebt. Streit, Überforderung, Rückzug, Streit. Lustlosigkeit. Eine Abwärtsspirale.

Die klassische Geschichte einer Depression

Die beschriebene ist eine Geschichte der Depression. Ja, Depression. Nicht Burnout! Was viele Menschen und einige Wissenschaftler als Burnout beschreiben ist nichts anderes als ein spezielle Form der Depression. Das Resultat ist das gleiche. Ein Zustand der hilflosen Inaktivität, Ermüdung und des Rückzuges.

Burnout gibt es nicht

Burnout wurde als Konzept erstmals in den 70ern entwickelt. Irgendwann fand diese Idee Einzug in die Populärkultur. Es ist gebräuchlich davon zu reden, dass jemand für seine Arbeit brennt. Die übermäßige Leistungsmotivation wird als normal angesehen und setzt den sozialen Standard. Pünktlich zum Feierabend gehen? Das geht nur mit vielen Selbstzweifeln. Ein Projekt ablehnen? Geht gar nicht. So werden die Menschen verheizt und verheizen sich selbst.

Das ist aber noch lange kein Grund dafür eine eigene Erkrankung aufzumachen! Letztlich ist Depression ebenfalls eine Reaktion auf eine stressreiche Zeit und damit eine Überforderung der Bewältigungsmöglichkeiten. Die Überforderung kann, muss aber nicht unbedingt mit der Arbeit in Verbindung stehen.

Ein paar Gründe, warum es Burnout nicht gibt

  1. Die Symptomatik von Burnout ist die gleiche wie bei einer Depression (Erschöpfung, Lustlosigkeit)
  2. Die Forschung sagt: Burn-out gibt es nicht! Es gibt inzwischen verschiedene Studien, die zeigen, dass Burnout eine Unterform der Depression ist.
  3. Die Burnout Therapie ist die gleiche, wie bei einer Depression. Nur auf den Arbeitskontext bezogen. Was soll uns das sagen?
  4. Burnout führt zur Stigmatisierung von Menschen mit depressiven Symptomen. Menschen mit Arbeit haben einen Burnout, Menschen ohne Arbeit haben eine Depression.

Gerade der letzte Punkt liegt mir sehr am Herzen. Die Diagnose „Burnout“ führt dazu, dass Du sagen kannst: „Ich habe so für meinen Job „gebrannt“, dass ich jetzt erschöpft bin. Es geht nix mehr.“

„Seht her. Die ist toll. Hat sich total aufgeopfert für den Job.“

Und nun kommen, die Menschen, die sich an ihrem Leben (nicht an ihrer Arbeit) aufgerieben haben. „Ach der ist doch selber Schuld. Hätte er sich mal aufgerafft zur Arbeit… “ Damit wird der Arbeit etwas zugeschrieben, was sie einfach nicht ist. Das bessere Leben. Natürlich gehört Arbeit zum Leben. Aber wer depressiv aufgrund seiner Arbeit wird, ist aus meiner Sicht nicht anders zu behandeln als jemand, der wegen einer schwierigen Kindheit, mit den Unwegbarkeiten des Lebens nicht gut zurecht kommt.

Was wichtig im Burnout ist

In der Akzeptanz- und Commitmenttherapie ist es übrigens gar nicht so wichtig wie man das nennt, was dir Probleme bereitet. Wichtig ist vielmehr, was diese Probleme mit dir machen und wie Du da wieder raus kommst. Insofern ist eine gute Lösung, von diesen Etiketten loszulassen und den Menschen zu helfen, ein gesünderes und reichhaltigeres Leben zu führen.

Also egal ob Du einen “Burnout” hast oder eine Depression. Fakt ist, Dir geht es nicht gut gerade. Und der erste Schritt ist, dieses Gefühl anzunehmen und es zu bejahen (was sehr schwer ist). Aus diesem Bejahen kann die Kraft für Veränderung kommen. Aus dieser Kraft kannst Du die ersten Schritte gehen in ein Leben, was mehr von Dir bestimmt wird statt von Deinen Problemen.

Was denkst Du?
Womit kannst Du dich identifizieren? Depression? Burnout? Gar nichts? Schreib mir davon unten in die Kommentare.

 

Kommentare 25

  1. Is schon was dran. Burnout ist zu einer Modeerscheinung geworden. Im Gegenzug wird die Depression teilweise in die kriminelle Ecke gedrängt. Die Medien helfen dabei enorm mit, indem bei z.B. Attentätern direkt öffentlich eine Depression als verursachender Grund genannt wird.
    Ich selbst leide unter Depression (private und berufliche Ursachen) und arbeite in einer 100% Stelle im medizinischen Bereich. Alleine der blosse Verdacht auf Depression befördert einen auf der Abschussliste an die erste Stelle, auch wenn die Arbeitsleistung deutlich über der der Kollegen liegt. Gerade im medizinischen/ sozialem Bereich wird mit betroffenen sehr asozial umgegangen. Hilfen: null. Lieber noch “kränker ” machen und an den Rand der Gesellschaft drängen

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      Lieber Michael,

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, die Medien nennen inzwischen immer öfter psychische Störungen in Verbindung mit Gewalttaten. Das ist mir auch schon aufgefallen. Aber das ist nicht schlimm. Wir dürfen uns nicht von den Aussagen der Medien abhängig machen sondern unsere eigene Wahrheit leben. Im Herzen wissen, wir warum Menschen gewalttätig werden. Sie haben eine schmerzhafte Geschichte und sind nicht in der Lage diesen Schmerz anders auszudrücken als durch Hass.

      Ich nehme mal an, dass Du im Pflegebereich tätig bist. Dort herrscht ein hoher Arbeitsdruck. Das erlebe ich auch so. Leider sind gerade die Menschen am schwersten von Depression betroffen, die das meiste Engagement zeigen. Denn sie erleben den Druck am stärksten. Und machen sich ihn zum Teil auch Selber. Geh möglichst sanft mit dir um. Wenn es Dir schlecht geht dann übernimm Verantwortung dafür und sorge gut für dich!

      Alles Gute auf deinem Weg.
      Sandro

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  2. Ich denke genau so. Burnout hört sich besser an, ist leichter zu ertragen und hat immer die Aussicht auf Heilung. Ich habe dieses Wort zu Beginn meiner Depression auch verwendet. Es war vorm Arbeitgeber einfach leichter. Dem war es aber egal, ich war durchgeknallt und musste ersetzt werden. Jetzt lebe ich seit 5 Jahren mit Depressionen und es ist so. Ich spreche offen darüber und mit ist herzlich egal was dumme Menschen darüber sagen. Liebe Grüße Heike

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      Liebe Heike,

      Du sprichst auch mir aus dem Herzen. Ich hatte mehrere depressive Episoden in meinem Leben! Darunter die mit und ohne Arbeitskontext. Same Shit, different environment! Gleicher Scheiß, andere Umgebung!

      Liebe Grüße
      Sandro

    2. Du sprichst mir aus der Seele liebe Heike, auch mir geht es so!!!
      Dem Arbeitgeber ist es sowieso egal, Ersatz ist ja immer da!
      war 25 Jahre im Pflegeberuf tätig….und zu meinen Depressionen kommt noch das ich ein körperliches Wrack geworden bin mit den kaputten Knochen!
      Lieben Gruß Ulrike

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  3. Sehr treffender Artikel!
    Genau aus diesen Gründen ist das Burn-Out-Syndrom auch nicht in der ICD-10 katalogisiert. Ich finde allerdings, dass das Wort den Gefühlszustand der Leere sehr gut beschreibt.
    Allerdings wird der Begriff Burn-Out mittlerweile ja schon regelrecht inflationär in jeder kleinen Erschöpfung nach einer stressigen Phase verwendet, so dass er langsam seine Bedeutung verliert.
    In meinem Blogartikel “8 Fakten zum Burn-Out-Syndrom” gehe ich da noch etwas detaillierter drauf ein:
    http://www.happydarkcloud.de/8-fakten-zum-burn-out-syndrom/

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      Liebe Danny,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich finde, wenn Du in Deinem Artikel Burnout mit Depression austauschst dann stimmt der Artikel auch… Alles, was Du zu Burnout sagst trifft auch für die Depression zu…

      Ich lege mal ein Argument drauf: Psychische Störungen können im Tiermodell nachgebildet werden. Das heißt man kann z.B. Ratten depressiv, ängstlich oder abhängig machen… (Schrecklich, ich weiß!) Ich kenne keine Studie bei dem Tiere einen Burnout haben. Bitte um Korrektur falls jemand, was dazu weiß!

      sei lieb gegrüßt
      Sandro

  4. Burnout ist in der Gesellschaft zum Überbegriff der psychischen Erkrankungen geworden.
    Ich habe Depressionen und verwende selbst oft den Begriff Burnout weil viele nicht betroffene mit Depression nichts anfangen können.

    Es bedarf allgemein mehr Aufklärung, damit “Gesunde” verstehen was es mit diesen Erkrankungen, die man einem nicht ansieht, auf sich hat.
    Sie verspotten einen nur und machen damit oft noch mehr kaputt. Das Verständnis fehlt leider.

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      Liebe Bille,

      Das ist genau das Problem: Fehlendes Wissen über psychische Probleme in der Gesellschaft! Ich glaube es gibt ungefähr drei Kategorien in der Bevölkerung: 1. Die Burnoutler (=Depression u.ä.) 2. Die Alkies und Junkies (=Drogenabhängigkeit) 3. Die Verrückten (Schizophrenie und Delir)

      Danach hört es auf. Umso wichtiger über verschiedene Probleme aufzuklären! Wichtig ist dabei darauf hinzuweisen, dass es so etwas wie Gesunde und Kranke im psychischen Sinne nicht gibt. Unsere Psyche funktioniert so wie sie soll. Sie ist nicht krank. Die Gehirnzellen sind ja nicht durchgebrochen! Danke für diese Inspiration… Da sollte ich demnächst mal einen Artikel zu schreiben!

      sei lieb gegrüßt
      Sandro

  5. Ich habe Burnout bisher nie ausschließlich mit Arbeit in Verbindung gebracht, da mein Zustand sich eher aus dem privaten Bereich bildete. Die Arbeit setzte für mich nur das i-Tüpfelchen drauf. Der Beruf einer Erzieherin ist ganz einfach anstrengend, da ich aber ein geistig Behindertes Kind habe, trat der Stress der Arbeit eher in den Hintergrund, förderte aber die Besserung keineswegs. Der Begriff Burnout beschreibt für mich ganz einfach nur treffend den Gefühlszustand in dem ich mich befunden habe. Erschöpfungsdepression, wie meine Krankheit aus Psychologischer Sicht genannt wird, war mir immer zu abstrakt. Ich finde es schade, das inzwischen jeder Mensch, der ein wenig gestresst ist behauptet er hätte Burnout, oft wird es auch eher als Scherz verwendet, es setzt die Schwere des Gemütszustandes deutlich herab. Dennoch kann ich es immer noch nicht anders ausdrücken, als : ” Ich fühlte mich komplett und durch und durch Ausgebrannt”

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      Liebe Tanja,

      Danke für Deinen Kommentar. Schön, dass dieses Wort Deinen Zustand gut beschreiben konnte. Ich wünsche Dir, dass Du wieder Energie sammeln kannst.

      Alles Liebe
      Sandro

    2. Ich hatte nun schon 2 x überlastungssyndrom, Also das bedeutet das ich mich im privaten Bereich bis zum äusersten rand getrieben habe und es doch nicht geschaft hab. also kamen auch die Depressionen.
      Depressionen gehört ja so gesehen zu Burnout. ist halt nur ein neueres Wort dafür.
      Wenn man sowas mal richtig hat kennt man sich selbst nicht mehr. oder eher der Körper streikt.
      Macht was er will, schmerzen wo medizinisch nicht erklärbar ist.
      Das ist nicht nur Müde und KO sein, auch Verspannungen, Muskelschmerzen usw. sind da Begleiterscheinungen.

  6. Burnout wird in der heutigen Gesellschaft als “toll” angesehen.(Leistung usw.) Wenn jemand an einer Depression erkrankt,wird er oft belächelt und für nicht ganz voll genommen.DEPRESSION ein Thema,welches mehr Aufklärung bedarf in der Öffentlichkeit.Es wird definitiv noch zu viel in den Schatten gerückt.!Toller Bericht>mehr davon bitte

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  7. Danke für diesen Artikel!
    Bournout ist einfach eine andere Benennung für Depression.
    Ausgebrannt zu sein, nicht mehr zu können … etc pp … ist eine Depression … und wie man so etwas hineinrennt hat mit dem eigenen Verhalten zu tun und dem Umgang der eigenen Lebensumständen. Und dieses Verhalten ist die Folge von dem wie wir gepolt wurden, aufgewachsen sind und was wir erlebt haben etc pp … ich bin gegen diesen Begriff … es ist ein Begriff hinter denen sich Menschen sich verstecken können die nicht zur eigenen Krankheit stehen können, wollen … man könnte ja als “irre” abgestempelt werden …

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  8. Burnout und Depressionen gehören für mich in ein und die gleiche Schublade..
    Ich habe es privat jahrelang am eigenen Leib gespürt, der Verlust den ich Privat hatte
    den Streß und das Mobbing auf der Arbeit, ließ mich in Depression verfallen.
    Meine Kinder glauben ich wollte nichts von ihnen wissen, da ich mit mir selbst beschäftigt war und nur an mich dachte. Ja dachte ich, denn wie komme ich aus dem Loch wieder heraus. Wie schaffe ich es mich selbst im Spiegel wieder anzusehen, anstatt nur an mir vorbei.
    Wie schaffe ich es, meine Arbeit zu bewältigen, ohne das ich selbst wieder alles hinschmeisse..
    Meine Kinder wissen nichts darüber und haben den Kontakt zu mir abgebrochen. Meine Seele hat darunter gelitten und ich falle Phasenweise in die Depression zurück.
    Stimmt Burnout ist nur ein Wort, wohingegen Depression eine viel tiefsinnigere und schwer herauszukommende Angelegenheit ist.
    Ich habe den Job gewechselt, den Wohnort und auch mein Leben, hat einiges gebracht, nur
    den Kontakt zu meinen Kindern nicht.
    Heute kann ich viel öfter in den Spiegel schauen und mich selbst anlächeln, habe Freunde die mir den Rücken stärken usw…… Aber nicht meine Kinder…..

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      Liebe Black Velvet,

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Es macht mich sehr traurig zu lesen, dass Deine Kinder den Kontakt abgebrochen haben. Ich kann mir nicht richtig vorstellen, wie sich das anfühlt. Ich freue mich, dass Du den Mut nicht verloren hast und einen Weg gefunden hast damit umzugehen!

      Alles Gute Dir weiter auf Deinem Weg
      Sandro

  9. Ich leite eine burnout-Gruppe, und ich sehe die Sachlage grundlegend anders.

    Ich bin im Zuge meiner Therapie auch mit vielen Depressiven zusammen gekommen und sehe folgenden, gravierenden Unterscheid:
    Ein Gefühl der Leere, Gedanken wie „niemand mag ich mich, ich bin unnütz, niemand braucht mich!“ sind die typischsten Merkmale einer Depression.
    Die sind aber dem burnouter unbekannt. Die Gefühls- oder Gedankenwelt eines burnouters sind: „Ich muss auf die Arbeit, ich werde dringend gebraucht, mein wichtiges Projekt läuft doch, ich MUSS da hin!“
    Leider machen dies psychosomatische Störungen aller Art unmöglich (Migräne, Reizdarm, Herzrhythmusstörungen, Herz-Kreislaufprobleme, schwere Rückenprobleme) und legen so den Körper lahm.
    Psychosomatische, also rein körperliche Störungen bis zur totalen Bettlägrigkeit sind mir von Depressiven so nicht bekannt. Dort lähmen die Gedanken der Sinnlosigkeit.
    Das ist wiederum dem burnouter fremd. Er sieht seinen Sinn nur noch in der Arbeit und will dort auch wieder hin. So schnell wie möglich… ich es sehe bei jedem neuen Fall immer wieder. Dunkle Gedanken kommen hier nicht vor.
    Ich kenne keinen burnouter, der ein mobbing-Problem hatte. Burnouter sind meist im Beruf sehr erfolgreich, werden gebraucht und sind beliebt, weil sie aller Arbeit übernehmen. Depressive hingegen sehen sich oft gemobbt, auch in Situationen, die man als Außenstehender (in den Gruppen) nicht als mobbing empfinden würde.
    Insofern sehe ich die angeführten Gründe, warum es keinen burnout gibt, nicht gegeben:

    1. Nein, die Symptome sind nicht dieselben.
    2. Wenn die Forschung bei psychischen Störungen so gut wäre wie z.B. die Unfall-Chirurgie, hätten wir deutlich mehr Erfolge bei den Therapien. Ich sehe die Schulmedizin im Bereich mentaler Erkrankungen sehr kritisch.
    3. Ich sehe es als einen großen Fehler an, burnoutern die gleiche Therapie wie Depressiven zu geben und habe auch ein Buch darüber geschrieben. Zum Therapie-Erfolg: es gibt kaum burnouter, die noch im alten Beruf arbeiten.
    4. Mit „Arbeiten“ im Sinne von bezahltem Job hat ein burnout nicht immer etwas zu tun: auch Mütter mit 2 Pflegefällen in der Familie erleiden einen burnout. Aber auch hier mit komplett anderen Symptomen: Nicht „Ich fühle mich leer und lustlos!“, sondern mit „ich MUSS arbeiten, aber ich kann nicht mehr, der Kopfschmerz bringt mich um!“ und versucht mit beginnenden Sehfeld-Störungen und Schwindel den Alltag weiter zu bewältigen, bis sie umfällt.

    Natürlich erkrankt ein burnouter nach der Erkenntnis, dass er wahrscheinlich seinen Beruf nicht mehr ausführen kann, dass er seinen Alltag bzw. sein Leben komplett umstellen muss; oft auch noch zusätzlich an einer Depression, weil er alle sein Träume (mit der beruflichen Karriere) als beendet ansieht.
    Aber dieser depressive Zustand ist nicht der Anfang, sondern das Ergebnis eines burnouts.
    Aus den genannten Gründen sehe ich eine Gleichsetzung von burnout und Depression nicht.

    Übrigens wird ein burnout in der Arbeitswelt auch nicht als „toll“ angesehen, sondern man kann fast zwingend mit einer Kündigung rechnen, da dem Arbeitgeber natürlich sowohl die langen Ausfallzeiten als auch die exorbitant schlechten Genesungs-Aussichten bekannt sind. Auch dieses Argument ist nicht nachvollziehbar und gehört zu den urban legends.

    Mit Gruß aus dem Saarland

    Thom

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      Lieber Thom,

      Vielen Dank für Deinen engagierten Kommentar. Du hast sehr gut auf den Punkt gebracht, was Menschen mit Problemen im Arbeitsfeld mit Menschen mit Depressionen unterscheidet. Das die Probleme der Menschen unterschiedlich sind daran gibt es keinen Zweifel.

      Bitte erlaube mir in einigen Punkten zu widersprechen.

      Die 3 Kardinalsymptome der Depression sind: gedrückte Stimmung, Lustlosigkeit und Interessenverlust. Das Gefühl der inneren Leere ist ein Zusatzsymptom, welches nicht zwingend notwendig ist für die Diagnose Depression. Das heißt es gibt depressive Menschen, die nicht innerlich leer sind. Und ja ich habe diese Menschen kennengelernt.

      Auch muss ich bei der Bettlägerigkeit widersprechen. In der schweren Depression gibt es viele Menschen, die große Schwierigkeiten haben aufzustehen. (Ist definitiv auch als Morgentief bekannt.)

      Ich für mich unterteile Menschen nicht in Burnoutler, Depressive, Schizophrene, etc. Für mich sind es Menschen mit bestimmten Problemen. Ich helfe also dabei Probleme und Schwierigkeiten im Leben zu lösen.

      Dein Vergleich zur Unfall-Chirurgie finde ich großartig! Problem: Arm gebrochen. Ursache: mechanische Einwirkung auf den Knochen Lösung: Schienen, Schmerzmittel und ruhig halten! Easy

      Problem: Depression oder Burnout Ursache: Vielfältig. Es geht bei Genen und biologischen Faktoren los, geht über Traumatisierungen in der Kindheit, hin zu Perfektionismus, niedriges und brüchiges Selbstwert und z.B. fehlender Unterstützung im Freundeskreis Lösung: Komplex! Therapie ist ein komplexes Unterfangen bei denen etliche Faktoren berücksichtigt werden müssen.

      Du siehst Psychotherapie ist ein so komplexes Unterfangen, dass es eine sehr schwierige Arbeit ist. Und wenn Du nicht der Schulmedizin vertraust, dann versuch es mal mit psychologischer Psychotherapie… Und ein anderes Verfahren Deiner Wahl. Wenn es hilft freu ich mich für Dich! Erzähl mir gerne davon, was Dir hilft. Ich kann da auch nur lernen!

      “Ich muss arbeiten, kann aber nicht wegen meinem Kopfschmerz” hört sich nach einer somatoformen Störung an. Da sind wir bei einem anderen Kapitel… Jedenfalls nicht beim Burnout.

      Generell finde ich, was Du beschreibst auch nicht als Burnout sondern als Workaholics. Und ja aus meiner Sicht landen solche Workaholics früher oder später mit Depressionen bei einem Therapeuten! Wir können es ja so sagen: Wer lange genug burnoutet ist irgendwann depressiv?

      Wie gesagt, Danke für Deinen Kommentar, den ich sehr gut und wichtig finde.

      Alles Liebe
      Sandro

      1. Lieber Sandro,

        lassen wir das kategorisierende Schubladendenken „dies ist diese Krankheit und jenes ist eine andere, und diese gibt´s nicht.“
        Psychologische Psychotherapie zähle ich zur Schulmedizin, und sie hat mir nur im Anfangsstadium geholfen.

        Ich hatte 4 burnouts, mehrere Therapien, 3 Rehas und bin mit 46 frühverrentet worden.

        Was mir geholfen, ja, was mein Leben verändert hat, war der einjährige Aufenthalt in einem Yoga-und Meditationskloster bzw. Ashram indischen Vorbildes. Dort gab es auch eine lange, intensive Systemische Therapie, die vergleichbar ist mit Familienaufstellung. Es gibt dabei aber keine Stellvertreter, sondern die Therapie wird in Hypnose durchgeführt.

        Ich gehe konform, dass die Anlagen zur Depression und zum workaholic bis zum burnout bereits in der Kindheit oder noch davor gelegt werden und Blockaden entsprechend aufgelöst werden müssen.
        Diese Blockaden oder Denk- und Verhaltensmuster und die Methoden zur Lösung sind sehr individuell.

        Ich sehe mit Freuden, dass Methoden wie Familienaufstellung, Hypnose, Tiefenentspannung, Kinesiologie, schamanische Ansätze und ganz wichtig Meditation gerade ihren Weg in die klassische psychotherapeutische Behandlung finden.

        Ein Grundproblem ist natürlich, dass wir „Westler“ oft völlig unsere spirituelle Seite zugunsten der materiellen Welt verloren haben.
        Alleine deshalb kann ich einen Aufenthalt in einem Yoga- und Meditations-Ashram sehr empfehlen. Keine Angst, nicht jeder muss ein Jahr „absolvieren“, es gibt auch Wochen- oder Wochenend-Seminare, die schon sehr viel in uns bewegen. [Um es vorweg zu nehmen: keine Sekten-Gefahr! :o) Es ist alles ganz offen! Es wird zu keinen religiösen Bekenntnissen gedrängt.]

        Es geht um das Abstellen des Lärms von außen, um nicht nach Innen hören zu müssen.

        Die Energie, die wir daraus schöpfen, können wir gut für unseren Alltag und zur Gesundung gebrauchen.

        Liebe Grüße
        Om shanti
        Thom

  10. @ Thom…..

    Dann müsste mich mein Arzt damals falsch diagnostiziert haben,
    denn ich hatte beides, Burnout und Depressionen. Konnte mich nicht im Spiegel sehen,
    der Gedanke zur Arbeit zu gehen verursachte tierische Magenschmerzen und
    Angstzustände… Traute mich nicht aus dem Haus, sondern habe mich in meiner eigenen Wohnung vergraben. Keinen Kontakt zur Außenwelt gesucht, wollte nur alleine sein.
    Mich gehen lassen, mir war alles egal…. Meine Gedanken kreisten stets und permanent um alles was in meinem Leben geschah. Die Trennung, der Verlust meiner Kinder, hasste mein Leben.
    Heute sieht das anders auch, ich geh mit stolz erhobenem Hauptes durch mein Leben, ohne Therapie und ohne Tabletten.
    Behaupte aber nicht das ich geheilt bin, denn ich habe zwischendurch immer noch Phasen, die mir den Boden unter den Füßen wegziehen.

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