Wie dich deine Kontrollagenda vom Leben abhält

ACTforLIFE Klarheit 7 Comments

Wir versuchen viele Bereiche in unserem Leben zu beeinflussen und zu kontrollieren: Unsere Beziehungen, „Karriere“, letztlich alles was wir tun. Wir versuchen allerdings auch Dinge zu kontrollieren, die sich nicht so leicht beeinflussen lassen wie: Gefühle, körperliche Empfindungen, andere Menschen. Warum die Kontrolle von Gefühlen keine so gute Idee ist, erzähle ich dir in diesem Artikel.

Glücklich sein ist nicht normal!

Viele Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht herauszufinden wie ich glücklich sein könnte. „Vielleicht wenn ich nur genug Sport mache werde ich eines Tages genauso glücklich wie die Menschen um mich herum.“ habe ich gedacht. Schließlich schüttet man ja ganz viele Glückshormone aus. Ich versuchte meinte traurigen Gedanken und Gefühle zu verdrängen. Ich wollte sie nicht haben. Dass dies genau zum Gegenteil führt, habe ich erst im vergangenen Jahr verstanden und erlebt.

Kontrolle ist nicht die Lösung, sie ist Teil des Problems

Der Versuch Gefühle und Körperliche Emfindungen zu kontrollieren führt in eine Sackgasse. Die Kontrolle von Gedanken und Gefühlen führt dahin, dass wir in unserem Leben keinen Platz für unangenehme Gefühle und Gedanken schaffen. Wir werden zum Torwächter unseres Innenlebens und haben doch keine Kontrolle darüber!

Ein Versuch mit der Kontrollagenda

Kleiner Versuch: Probier doch mal jetzt und in dieser Sekunde ganz direkt deinen Puls um 10 Schläge die Minute zu verringern. Klar könntest du jetzt an etwas beruhigendes denken. Das meine ich aber nicht. Ich möchte, dass Du das direkt tust… Und hats geklappt? Wir haben über viele Vorgänge keine direkte Kontrolle. Und doch versuchen wir Kontrolle darüber auszuüben.

Wenn Du etwas nicht haben willst, dann bekommst Du es.

Nehmen wir die Angst. Wir alle haben an verschiedenen Punkten in unserem Leben Angst. Sie ist Teil unseren genetischen Codes. Ohne Angst vor Gefahren wären wir nicht hier. Wenn wir anfangen, der Angst aus dem Weg zu gehen, bestätigen wir genau das, was wir versuchen klein zu halten. Denn wir müssen ja nur etwas aus dem Weg gehen, was auch gefährlich ist. Wenn wir unseren unangenehmen Gefühlen aus dem Weg gehen dann füttern wir diese nicht erwünschten Empfindungen.

Was also tun?

Zuerst wäre es ein Anfang sich zu beobachten und sich folgende Frage zu stellen:

  1. Was tue ich alles um diesen unangenehmen Gefühlen aus dem Weg zu gehen?
  2. Was für einen Preis zahle ich dafür?
  3. Wie funktioniert das langfristig?

Und wie soll ich nun mit meinen unangenehmen Gefühlen umgehen?

Es gibt eine schöne Metapher im Skifahren. Um Ski zu fahren muss man etwas tun, was unserer Intuition widerspricht. Wir müssen uns mit unserem Oberkörper den Hang hinunter lehnen. Genauso kann es auch mit den unangenehmen Gefühlen Funktionieren. Lehne dich ein wenig mehr in die Gefühle hinein. Ich weiß, dass das große Angst machen kann. So geht es mir auch. Für mich war es langfristig hilfreicher mich in meine Angst hinein zu lehnen. Wie es für dich ist kann ich nicht sagen. Eines habe ich gelernt in den vergangenen Jahren: Wir können unseren negativen Gefühlen nicht davon laufen. Wir brauchen einen Platz dafür in unserem Leben.

Die Kontrollagenda aufnehmen

Die Kontrollagenda, die wir alle mit uns herum tragen, kann uns vor vielen Gefahren bewahren. Sie kann uns aber auch vom Leben abhalten. Unser Leben hält nämlich auch schwierige und unangenehme Situationen für uns bereit und die Angst wird umso größer je bedeutsamer die Handlungen sind. Willst Du, dass dein Leben von dieser Kontrollagenda bestimmt wird? Oder möchtest Du selber Autor eines erfüllten Lebens sein?

Also wie wäre es, sich in der kommenden Woche in ein unangenehmes Gefühl hineinzulehnen?

Welchen Gefühlen gehst Du am liebsten aus dem Weg? Und wie lehnst du dich hinein? Erzähle mir davon hier in den Kommentaren.

Kommentare 7

  1. Am liebsten,gehe ich meinen Einsamkeitsgefühlen aus dem Weg. Das führt dazu, dass ich in einer Opferhaltung erstarre und reinweg gar nichts unternehme.So kommt noch mehr Einsamkeit in mein Leben. Lehne ich mich allerdings ganz bewußt hinein, merke ich, dass ich weniger Angst habe, ja, dass sie sich sogar abbaut und ich wieder Lust verspüre, etwas zu unternehmen, auch wenn es heißt, das allein zu tun. Vielen Dank für diesen tollen Rat.

  2. Lieber Sandro , danke für diesen Beitrag wie wahr 😉 ich renne oft weg vor Traurigkeit ,Angst ,Unsicherheit das sind Empfindungen und Gefühle die ich immer ne lange Zeit verdrängen kann und dann kommen die mit voller Wucht ?Aber die gehören zum Leben genau so wie die schönen Empfindungen

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  3. Lieber Sandro,

    vielen Dank für deinen wertvollen Artikel. Kontrollagenda ist wirklich ein treffendes Wort und sie ist leider so präsent im Leben vieler von uns. Wir suchen ein erfülltes Leben und laufen eigentlich vor ihm davon und kommen aus diesem Grund nie bei ihm an.

    Wir wollen die Kontrolle über unser Leben und unser Glück und tun dabei genau das Gegenteil. Wir fahren uns fest, setzen uns unter Druck, stellen Erwartungen und Ziele auf, ohne uns zu fragen, ob der Weg, den wir für uns geplant haben, noch zu uns passt.

    Wir suchen nach Glück, obwohl wir dafür sorgen sollten, glücklich zu sein. Wir wollen unser Leben im Äußeren verändern, ohne genau zu in welche Richtung unser Weg liegt. Wir probieren aus und wechseln die Orte, ohne zu erkennen, dass wir uns im Inneren begegnen müssen, um die Klarheit für Veränderung zu finden.

    Und diese Klarheit findet man auch über unangenehme Gefühle.

    Das weißt du durch deine Scheidung selbst am besten. Dafür meinen großen Respekt. Eine andere Richtung einzuschlagen, wenn man erkennt, dass der geplante Weg doch nicht der richtige ist, erfordert Mut und Entscheidungswillen.

    Und dafür kann man gut die unangenehmen Gefühle nutzen. Wie man mit ihnen umgehen soll hast du mit dem bildhaften Beispiel des Skifahrens sehr gut beschrieben. Genau so kann man glücklich sein. Die Gefühle als Ratgeber nutzen, um zu erkennen, wo der Schuh drückt und in welche Richtung man sich als nächstes bewegen soll, um wieder im Einklang mit sich zu sein.

    Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Bettina

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      Liebe Bettina,

      Danke für deinen schönen Kommentar, der Mut und Hoffnung spendet. Ich mag diese Idee der Kontrollagenda auch sehr. Er trifft auch sehr passend für mich und meine Schwierigkeiten. Kontrolle abgeben und nicht an Dingen festhalten, die nicht unter meiner Kontrolle sind aus Angst, Dinge könnten geschehen, die ich so nicht wollte. Leben mehr als fließen begreifen. Als Strom von Ereignissen, Gedanken und Gefühlen, die man erleben und beobachten kann. Und in diesem Strom kann man Entscheidungen treffen, die man wiederum beobachten kann und lernen, was funktioniert und was nicht.

      Nochmals Danke für die Inspiration.

      Alles Gute
      Sandro

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