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Burnout gibt es nicht! Depression schon!

„Burnout“ hat einen Siegeszug in das kollektive Sprachrepertoire hingelegt, was seines Gleichen sucht. Angefangen hatte Burnout als Beschreibung für die Überarbeitung in helfenden Berufen. Aber dann kam man auf die Idee Burnout für alle Arbeitsgruppen anzuwenden. Dabei spricht vieles dafür, dass es diese Krankheit gar nicht gibt. Ehrlich!

Burnout gibt es nicht! Depression schon!

Ein typische Burnout Geschichte

Ein junger Arbeitnehmer beginnt seinen Job voller Enthusiasmus, hat tolle Ideen und arbeitet daran in seinen neuen Beruf hineinzufinden. Nach einigen Monaten beginnt die Anforderung spürbar zu werden. Er schläft zu wenig, ist angespannt, wird genervt und zynisch. Er regt sich schnell über seine Kollegen auf, empfindet die Arbeit als Belastung. Irgendwann kann er nicht mehr richtig schlafen, ist tagsüber müde und abends grübelt er über all die Probleme des Tages und findet doch keine Lösung und vor allem keine Ruhe.  Das Arbeitspensum ist einfach nicht schaffbar. (war es das jemals?) Irgendwann sitzt er vor dem Rechner und starrt ihn minutenlang an. In seinem Kopf schwirrt die Frage: „Wie soll ich das jemals schaffen.“ Statt mit dem ersten Schritt zu beginnen passiert lange gar nichts. Nur sinnlose Aktivitäten. Wenn er doch anfängt zu arbeiten braucht er ein vielfaches der Zeit, die er sonst für diese Tätigkeiten gebraucht hat.

Das schlechte Gewissen wächst und so auch die Gedankenspirale. Er versucht das schlechte Gewissen mit noch mehr Arbeit zu kompensieren und bleibt noch länger auf, schafft aber immer weniger. Hinzu kommt bald ein ständiges Gefühl der Erschöpfung und Müdigkeit. (Was normal ist wenn man nicht schläft…) Gedankliche Monologe beginnen: „Ist das überhaupt der richtige Job für mich? Wenn ich nur etwas tun würde bei dem ich mich wohl fühlte.” Solche Gedanken helfen auch nicht richtig weiter.

Das Leben zu Hause in der Familie leidet ebenfalls. Mit den Gedanken auf der Arbeit merkt er nicht, was um ihn herum passiert. Was seine Tochter erlebt, was die Partnerin zu Hause erlebt. Streit, Überforderung, Rückzug, Streit. Lustlosigkeit. Eine Abwärtsspirale.

Die klassische Geschichte einer Depression

Die beschriebene ist eine Geschichte der Depression. Ja, Depression. Nicht Burnout! Was viele Menschen und einige Wissenschaftler als Burnout beschreiben ist nichts anderes als ein spezielle Form der Depression. Das Resultat ist das gleiche. Ein Zustand der hilflosen Inaktivität, Ermüdung und des Rückzuges.

Burnout gibt es nicht

Burnout wurde als Konzept erstmals in den 70ern entwickelt. Irgendwann fand diese Idee Einzug in die Populärkultur. Es ist gebräuchlich davon zu reden, dass jemand für seine Arbeit brennt. Die übermäßige Leistungsmotivation wird als normal angesehen und setzt den sozialen Standard. Pünktlich zum Feierabend gehen? Das geht nur mit vielen Selbstzweifeln. Ein Projekt ablehnen? Geht gar nicht. So werden die Menschen verheizt und verheizen sich selbst.

Das ist aber noch lange kein Grund dafür eine eigene Erkrankung aufzumachen! Letztlich ist Depression ebenfalls eine Reaktion auf eine stressreiche Zeit und damit eine Überforderung der Bewältigungsmöglichkeiten. Die Überforderung kann, muss aber nicht unbedingt mit der Arbeit in Verbindung stehen.

Ein paar Gründe, warum es Burnout nicht gibt

  1. Die Symptomatik von Burnout ist die gleiche wie bei einer Depression (Erschöpfung, Lustlosigkeit)
  2. Die Forschung sagt: Burn-out gibt es nicht! Es gibt inzwischen verschiedene Studien, die zeigen, dass Burnout eine Unterform der Depression ist.
  3. Die Burnout Therapie ist die gleiche, wie bei einer Depression. Nur auf den Arbeitskontext bezogen. Was soll uns das sagen?
  4. Burnout führt zur Stigmatisierung von Menschen mit depressiven Symptomen. Menschen mit Arbeit haben einen Burnout, Menschen ohne Arbeit haben eine Depression.

Gerade der letzte Punkt liegt mir sehr am Herzen. Die Diagnose „Burnout“ führt dazu, dass Du sagen kannst: „Ich habe so für meinen Job „gebrannt“, dass ich jetzt erschöpft bin. Es geht nix mehr.“

„Seht her. Die ist toll. Hat sich total aufgeopfert für den Job.“

Und nun kommen, die Menschen, die sich an ihrem Leben (nicht an ihrer Arbeit) aufgerieben haben. „Ach der ist doch selber Schuld. Hätte er sich mal aufgerafft zur Arbeit… “ Damit wird der Arbeit etwas zugeschrieben, was sie einfach nicht ist. Das bessere Leben. Natürlich gehört Arbeit zum Leben. Aber wer depressiv aufgrund seiner Arbeit wird, ist aus meiner Sicht nicht anders zu behandeln als jemand, der wegen einer schwierigen Kindheit, mit den Unwegbarkeiten des Lebens nicht gut zurecht kommt.

Was wichtig im Burnout ist

In der Akzeptanz- und Commitmenttherapie ist es übrigens gar nicht so wichtig wie man das nennt, was dir Probleme bereitet. Wichtig ist vielmehr, was diese Probleme mit dir machen und wie Du da wieder raus kommst. Insofern ist eine gute Lösung, von diesen Etiketten loszulassen und den Menschen zu helfen, ein gesünderes und reichhaltigeres Leben zu führen.

Also egal ob Du einen “Burnout” hast oder eine Depression. Fakt ist, Dir geht es nicht gut gerade. Und der erste Schritt ist, dieses Gefühl anzunehmen und es zu bejahen (was sehr schwer ist). Aus diesem Bejahen kann die Kraft für Veränderung kommen. Aus dieser Kraft kannst Du die ersten Schritte gehen in ein Leben, was mehr von Dir bestimmt wird statt von Deinen Problemen.

Was denkst Du?
Womit kannst Du dich identifizieren? Depression? Burnout? Gar nichts? Schreib mir davon unten in die Kommentare.

 

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  • Is schon was dran. Burnout ist zu einer Modeerscheinung geworden. Im Gegenzug wird die Depression teilweise in die kriminelle Ecke gedrängt. Die Medien helfen dabei enorm mit, indem bei z.B. Attentätern direkt öffentlich eine Depression als verursachender Grund genannt wird.
    Ich selbst leide unter Depression (private und berufliche Ursachen) und arbeite in einer 100% Stelle im medizinischen Bereich. Alleine der blosse Verdacht auf Depression befördert einen auf der Abschussliste an die erste Stelle, auch wenn die Arbeitsleistung deutlich über der der Kollegen liegt. Gerade im medizinischen/ sozialem Bereich wird mit betroffenen sehr asozial umgegangen. Hilfen: null. Lieber noch "kränker " machen und an den Rand der Gesellschaft drängen

    • Lieber Michael,

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, die Medien nennen inzwischen immer öfter psychische Störungen in Verbindung mit Gewalttaten. Das ist mir auch schon aufgefallen. Aber das ist nicht schlimm. Wir dürfen uns nicht von den Aussagen der Medien abhängig machen sondern unsere eigene Wahrheit leben. Im Herzen wissen, wir warum Menschen gewalttätig werden. Sie haben eine schmerzhafte Geschichte und sind nicht in der Lage diesen Schmerz anders auszudrücken als durch Hass.

      Ich nehme mal an, dass Du im Pflegebereich tätig bist. Dort herrscht ein hoher Arbeitsdruck. Das erlebe ich auch so. Leider sind gerade die Menschen am schwersten von Depression betroffen, die das meiste Engagement zeigen. Denn sie erleben den Druck am stärksten. Und machen sich ihn zum Teil auch Selber. Geh möglichst sanft mit dir um. Wenn es Dir schlecht geht dann übernimm Verantwortung dafür und sorge gut für dich!

      Alles Gute auf deinem Weg.
      Sandro

  • Dieser Artikel trifft es total. Besser hätte man es nicht schreiben können. Vielen Dank dafür !!

  • Ich denke genau so. Burnout hört sich besser an, ist leichter zu ertragen und hat immer die Aussicht auf Heilung. Ich habe dieses Wort zu Beginn meiner Depression auch verwendet. Es war vorm Arbeitgeber einfach leichter. Dem war es aber egal, ich war durchgeknallt und musste ersetzt werden. Jetzt lebe ich seit 5 Jahren mit Depressionen und es ist so. Ich spreche offen darüber und mit ist herzlich egal was dumme Menschen darüber sagen. Liebe Grüße Heike

    • Liebe Heike,

      Du sprichst auch mir aus dem Herzen. Ich hatte mehrere depressive Episoden in meinem Leben! Darunter die mit und ohne Arbeitskontext. Same Shit, different environment! Gleicher Scheiß, andere Umgebung!

      Liebe Grüße
      Sandro

    • Du sprichst mir aus der Seele liebe Heike, auch mir geht es so!!!
      Dem Arbeitgeber ist es sowieso egal, Ersatz ist ja immer da!
      war 25 Jahre im Pflegeberuf tätig....und zu meinen Depressionen kommt noch das ich ein körperliches Wrack geworden bin mit den kaputten Knochen!
      Lieben Gruß Ulrike

      • Liebe Heike,

        Dir trotzdem alles Gute weiterhin. Ich hoffe Du machst das beste aus deiner Situation!

        Alles Liebe
        Sandro

  • Sehr treffender Artikel!
    Genau aus diesen Gründen ist das Burn-Out-Syndrom auch nicht in der ICD-10 katalogisiert. Ich finde allerdings, dass das Wort den Gefühlszustand der Leere sehr gut beschreibt.
    Allerdings wird der Begriff Burn-Out mittlerweile ja schon regelrecht inflationär in jeder kleinen Erschöpfung nach einer stressigen Phase verwendet, so dass er langsam seine Bedeutung verliert.
    In meinem Blogartikel "8 Fakten zum Burn-Out-Syndrom" gehe ich da noch etwas detaillierter drauf ein:
    http://www.happydarkcloud.de/8-fakten-zum-burn-out-syndrom/

    • Liebe Danny,

      Danke für Deinen Kommentar. Ich finde, wenn Du in Deinem Artikel Burnout mit Depression austauschst dann stimmt der Artikel auch... Alles, was Du zu Burnout sagst trifft auch für die Depression zu...

      Ich lege mal ein Argument drauf: Psychische Störungen können im Tiermodell nachgebildet werden. Das heißt man kann z.B. Ratten depressiv, ängstlich oder abhängig machen... (Schrecklich, ich weiß!) Ich kenne keine Studie bei dem Tiere einen Burnout haben. Bitte um Korrektur falls jemand, was dazu weiß!

      sei lieb gegrüßt
      Sandro

  • Burnout ist in der Gesellschaft zum Überbegriff der psychischen Erkrankungen geworden.
    Ich habe Depressionen und verwende selbst oft den Begriff Burnout weil viele nicht betroffene mit Depression nichts anfangen können.

    Es bedarf allgemein mehr Aufklärung, damit "Gesunde" verstehen was es mit diesen Erkrankungen, die man einem nicht ansieht, auf sich hat.
    Sie verspotten einen nur und machen damit oft noch mehr kaputt. Das Verständnis fehlt leider.

    • Liebe Bille,

      Das ist genau das Problem: Fehlendes Wissen über psychische Probleme in der Gesellschaft! Ich glaube es gibt ungefähr drei Kategorien in der Bevölkerung: 1. Die Burnoutler (=Depression u.ä.) 2. Die Alkies und Junkies (=Drogenabhängigkeit) 3. Die Verrückten (Schizophrenie und Delir)

      Danach hört es auf. Umso wichtiger über verschiedene Probleme aufzuklären! Wichtig ist dabei darauf hinzuweisen, dass es so etwas wie Gesunde und Kranke im psychischen Sinne nicht gibt. Unsere Psyche funktioniert so wie sie soll. Sie ist nicht krank. Die Gehirnzellen sind ja nicht durchgebrochen! Danke für diese Inspiration... Da sollte ich demnächst mal einen Artikel zu schreiben!

      sei lieb gegrüßt
      Sandro

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ACTforLIFE

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